„Good Morning Iran“:

Jede Menge neue Chancen für Österreich

Die Abklärung der Verkehrsbeschränkungen bleibt ein wichtiges Thema im Iran-Verkehr. Das war der Grundtenor auf einem Informationsabend im Spartenhaus der Wirtschaftskammer Wien, bei dem die Vortragenden auch noch auf andere für Exporteure und Spediteure wichtige Aspekete aufmerksam machten.

WIEN. Unter dem Titel „Der Iran ist zurück am Markt: Die neuen Marktchancen als Herausforderung und Chance für Transport- und Zolllogistik“ fand am 18. Februar im Spartenhaus der Wirtschaftskammer Wien ein Informationsabend über einen Markt statt, in den zahlreiche heimische Exporteure große Hoffnungen setzen. Knapp 70 Vertreter aus der Speditionsbranche und aus der verladenden Wirtschaft nahmen an der Gemeinschaftsveranstaltung der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Wien, des Vereins der Transportfachleute (VdT) und der Österreichischen Verkehrszeitung teil, die in erster Linie im Zeichen der Bewusstseinsbildung gestanden hat.
Mag. Davor Sertic, seit dem Vorjahr Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Wien, verknüpfte seine Begrüßungsworte mit der Hoffnung, dass der Iran vielen österreichischen Unternehmen – darunter auch den Speditionen – neue Chancen für interessante Geschäfte eröffnet. Die Chancen dafür sind gut. In dem knapp 80 Mio. Einwohner beherbergenden Land in Vorderasien herrscht ein enormer Modernisierungsbedarf. Etwa 80 Prozent der Industriestruktur sind veraltet. Dazu kommt die Aufgeschlossenheit der jungen Bevölkerungskreise gegenüber westlichen Konsumgütern. Wenn das nach der erfolgreichen Anbindung der iranischen Banken an das SWIFT-System für den Nachrichten- und Transaktionsverkehr von weltweit mehr als 10.000 Banken und der Wiedereinführung der Dokumenten-Akkreditive als Instrument der Zahlungssicherung nicht rasch wieder den Warenhandel mit diesem Land ankurbelt, was dann!
Freilich bleibt der Iran aus speditioneller Sicht ein spannender Markt. Jedenfalls gelten für Lieferungen in dieses Land verschärfte Verhaltensmaßregeln. „Aber das bekommt man in den Griff, wenn alle involvierten Partner wissen was zu tun“, relativierte Michael Forster von der Zenit Spedition in seinen Ausführungen. Als besonderes Kriterium nannte er die genaue Prüfung der Begleitpapiere sowie der Warenempfänger mitsamt ihrem Umfeld. Alle Dokument müssen stimmen und auch die Wahl der iranischen Partnerspedition sollte mit Bedacht erfolgen. In ihren Verantwortungsbereich fallen alle Prozesse im Zusammenhang mit der Verwahrung und Ausgabe der Importsendungen im iranischen Zolllager.
Der Markt sei nie zur Gänze von der Bildfläche verschwunden, aber doch extrem geschrumpft, berichtete Arnulf Schöberl in seiner Funktion als Leiter Verkauf und Marketing der Lufthansa Cargo Österreich. Laut inoffiziellen Angaben stand der Iran im Jahr 2015 für ein weltweites Luftfrachtaufkommen von 30.000 Tonnen – verteilt auf 50.000 Sendungen – gut. Dem gegenüber standen in Saudi Arabien rund 500.000 Sendungen zu Buche. Vor diesem Hintergrund rechnet Arnulf Schöberl mit einer Verdoppelung des Aufkommens in relativ kurzer Zeit. Nach seiner Einschätzung sollte das Geschäft insgesamt über alle Warengruppen hinweg einen Aufschwung erleben. Die Lockerung der Sanktionen in bestimmten Geschäftssegmenten wird zusätzliche Impulse geben. So arbeitet die Lufthansa Cargo derzeit intensiv an der Aufhebung des Embargos für Valoren. Davon kann auch die Austrian Airlines profitieren, deren weltweite Frachtkapazitäten von der Lufthansa Cargo vermarktet werden. Im Sommerflugplan 2016 fliegt die Fluggesellschaft von Wien ausgehend zweimal täglich nach Teheran und viermal wöchentlich auf der neuen Route nach Isfahan.
„Die Abklärung der Verkehrsbeschränkungen ist ein wichtiges Thema im Iran-Verkehr“, betonte Johann Widhalm, Country Manager Österreich von KGH Customs Services. Dieses Thema werde teilweise viel zu locker genommen, was allen Beteiligten in der Transportkette in krassen Fällen einen beträchtlichen Schaden zufügen könne. In diese Kerbe schlug auch Georg Krenkel, Vorsitzender der Geschäftsleitung Helvetia Transport, mit dem eindringlichen Appell, wonach sowohl die Exporteure als auch die Speditionen jeden Transport einer strengen Vorprüfung unterziehen müssen, um auf Nummer sicher zu gehen.
Ein weiteres nicht unerhebliches Detail brachte Dr. Josef Traxler vom Versicherungsbüro Fiala zur Sprache. Er machte in seiner Präsentation auf den Umstand aufmerksam, wonach Transporte zu iranischen Importeuren eine verpflichtende lokale Deckung erfordern. Dadurch bedingt komme es zu einer Einschränkung der Lieferkonditionen dahingehend, dass die Vereinbarung von Kontrakten unter Anwendung der Incoterms-Klauseln CIF (Kosten, Versicherung und Fracht benannter Bestimmungshafen) und CIP (Frachtfrei versichert benannter Bestimmungsort) unzulässig sind. Außerdem warnte Josef Traxler eindringlich vor Initiativen zur Umgehung der bestehenden Versicherungsverbote, weil dieser Schuss sehr leicht nach hinten losgehen kann!

BT 1: Georg Krenkel, Johann Widhalm, Josef Traxler, Davor Sertic, Joachim Horvath und Michael Forster (von links).

BT 2: Das Luftfracht-Geschäft mit dem Iran könnte sich mengenmäßig rasch verdoppeln.