Zentralverschiebebahnhof Wien (ZVBH)
60 Jahre
Vereinsjubiläum von Gustav Schallmeyer
Am 11.09.2008 konnten wir - das waren Schüler
und Lehrpersonal der Berufschule sowie viele Mitglieder unseres Vereines - den
größten österreichischen Verschiebebahnhof in Kledering in einer Spezialführung
besuchen. Gesponsert wurde die Veranstaltung durch die ÖBB-Holding unter der
Patronanz von Vst.Dir. KR Gustav Poschalko.
Hier der Bericht mit vielen Text-Auszügen aus dem Info-Folder der ÖBB:
Der
Bus brachte uns planmäßig zum Bahnhof Kledering, wo wir schon von den Herren
Horak (Leiter der Anlage / im Vordergrund) und Steiner (Betriebsmanager
Netzbetrieb) erwartet wurden.

Ein Überblick von der Terrasse am Dach des
Bahnhofsgebäudes brachte eine Vorstellung über die Dimensionen des
Betriebsgeländes.

Die
Gleisanlagen gliedern sich in Einfahr-, Richtungsgleis- und Ausfahrgruppe. Die
Einfahrgruppe besteht aus 15 Gleisen und nimmt täglich rund 140 Güterzüge
auf. In der Richtungsgleisgruppe, die aus 48 Gleisen besteht, werden die
ankommenden Güterzüge durch Abrollen der einzelnen Güterwagen über den
Hauptabrollberg zerlegt und auf den einzelnen Gleisen zu neuen Zügen
zusammengestellt. Die neu gebildeten Züge verlassen über die 10 Gleise der
Ausfahrgruppe den ZVBH Richtung Zielbahnhof. In 24 Stunden können auf diese
Weise bis zu 5.500 Wagen behandelt werden.
Die Zug- und Verschubfahrten werden von zwei Zentralstellwerken gesteuert und kontrolliert. Hier werden Fahrstraßen gebildet, Signale und Weichen gestellt. Mittelpunkt der beiden Zentralstellwerksräume ist jeweils eine Panoramatafel - ein Abbild der Gleisanlagen, das durch Lichtanzeigen Auskunft über die Gleisbelegung, eingestellte Fahrstraßen und die Stellung von Weichen und Signalen gibt. Nahezu alle Verschubarbeiten erfolgen rechnergesteuert.
Der automatisierte Betriebsablauf ist
doppelt abgesichert
Zur Erhöhung der Verfügbarkeit der
Rechenanlage sind die Rechner doppelt vorhanden und arbeiten im "Hot-Stand-By-Betrieb",
Beide Rechner werden über eine Datenverbindung parallel mit den gleichen
Informationen versorgt. Bei Ausfall eines Rechners ist der andere in der Lage
den Prozess ohne Unterbrechung und Einschränkungen weiter zu steuern.
<<
Überwachungsstelle für den Abrollberg
Die für den Betriebsablauf wichtigsten Rechner sind der Dispositions- und der Operationsrechner. Der Dispositionsrechner liefert alle vom operativen System zur Steuerung der Zugzerlegung benötigten Daten, wie etwa Zielbahnhof. Wagennummer, -gewicht und -länge. Er bietet den Mitarbeitern Entscheidungshilfen an und befreit sie von Routinearbeiten. Der Operationsrechner gibt Steuerbefehle an das funkferngesteuerte Triebfahrzeug (Abdrücklok), überwacht Zulauf- und Abrollbetrieb und stellt Weichen während des Zerlegevorganges.
ARKOS: Beim Überfahren einer ARKOS Messstelle durch einen Zug werden die Achsabstände und das Gewicht sowie der Raddurchmesser festgestellt und mit der ARTIS Vormeldung verglichen, Im Dispatcherbild erfolgt die Gegenüberstellung von gemessenen und vorgemeldeten Daten. Diese Werte tragen zur Steigerung der Qualität im Abrollbetrieb (Erhöhen der Bergleistung, Verringerung der Falschläufer) bei.
Die so genannte "Geschwindigkeitssteuerung" am Hauptabrollberg - wir konnten das in einem Stakkato von Klack, Klack-Tönen wahrnehmen - war Mitte der 80er Jahre ein in Europa erstmalig eingesetztes System. Diese Steuerung sichert mit 42.000 Bremselementen (Retarder) in der Verteilzone und den 48 Richtungsgleisen der Reihungsgruppe die Einhaltung der erforderlichen Auflaufgeschwindigkeit.

<<Hr. Robert Steiner erklärt unseren Leuten die große Panoramatafel
Eingangszugbehandlung
Die in der Einfahrgruppe
ankommenden Wagen werden überprüft und für die Zugzerlegung vorbereitet. Auf
Grund der erfassten Daten wird vom Dispositionsrechner eine Zerlegeliste des
abzurollenden Zuges errechnet. Gleichzeitig erfolgen das Lockern der
Schraubenkupplungen und das Entlüften der Druckluftbremsen. Technische
Stichproben gewährleisten, dass allfällige Schadwagen in die Werkstätte geleitet
werden. Als zusätzliches Qualitätskriterium werden Beginn und Ende der
Eingangszugbehandlung überwacht. Der Dispositionsrechner leitet die Abrolldaten
an den Operationsrechner weiter, sie sind die Grundlage für die Arbeit des Entkupplers.
Ein kleiner Teil der Technik, die hinter der
ganzen Anlage steckt.>>
(in Augenschein genommen von 2 Berufschullehrern der BIS) >>
Zugzerlegung
Nach erfolgter Eingangszugbehandlung und Ankuppeln der Abdrücklok wird der Zug an den Hauptabrollberg geschoben (Zulauf). Vor dem Scheitelpunkt der Bergkuppe werden die Wagen vom Entkuppler mittels Entkupplungsstange getrennt und mit Schrittgeschwindigkeit (max. l,6m/sec) über die Bergkuppe gedrückt (Abrollen). Die entkuppelten Wagen oder Wagengruppen rollen unter Ausnutzung der Schwerkraft in die Gleise der Richtungsgleisgruppe und werden großteils ohne weitere Verschubarbeiten zu neuen Zügen zusammengestellt. Die Geschwindigkeitsregulierung der Abdrücklok für Zulauf und Abrollen sowie das Anhalten erfolgt funkferngesteuert durch den Operationsrechner. Nachdem alle Wagen eines Zuges in den Richtungsgleisen angekommen sind, wird das Abrollen automatisch beendet und die Daten vom Operationsrechner an den Dispositionsrechner zurückgemeldet. Züge mit spezieller Reihung werden in einem Richtungsgleis gesammelt, über den Nebenabrollberg zerlegt und in den Feinreihungsgleisen zusammengestellt.
Ausgangszugbehandlung
Zugbildung
Im Dispositionsrechner sind die Stammdaten - Längen- und Gewichtsgrenzwerte sind dort definiert für alle Ausgangszüge angelegt. Auf Grund der Zugnummer und der Baureihe des Zugtriebfahrzeuges gibt das Dispositionssystem eine Information über alle dem Ausgangszug zugeordneten Wagen aus. Die in den Richtungsgleisen gekuppelten Wagen werden von Verschubmitarbeitern zur technischen Kontrolle (Bremsprobe) und Sicherheitskontrolle bereitgestellt. Der Dispositionsrechner erstellt die Bremsberechnung und veranlasst den Ausdruck einer Wagenliste. Diese informiert den Triebfahrzeugführer über Gewicht und Länge des Zuges. Nach Abschluss all dieser Tätigkeiten steht der Zug zur Abfahrt bereit.
Technische Daten des ZVBH
Kapazität........................................ 5.500
Wagen in 24 Stunden
Gesamtfläche der Anlage ... 1.000.000 m2
Länge max..................................... 8.000 m
Breite max......................................... 300 m
Gleise................................................ 120 km
Weicheneinheiten............................. 400 Stück
Tägl. bewegte Tonnage............. 134.000 Tonnen (durchschn. Gewicht eines LKW
ca. 27 Tonnen)
Betriebsführung und Service........... 460 MA (großteils im Schichtdienst tätig)
Gesamte Anzahl der Mitarbeiter......800

Unser langjähriges Mitglied Hr.
Gustav Schallmeyer
feierte am 01.09. sein
60-jähriges Vereinsjubiläum:

Unserem Ehrenpräsidenten Prof. Dr. Kurt Spera
war es eine besondere Freude, die Ehrung unseres Jubilars Gustav Schallmeyer
vorzunehmen. Haben sie doch beide lange Jahre hinweg am Vereinsleben
teilgenommen und den Gang der Vereinsgeschicke auch aktiv gelenkt.
Wir wünschen dem Jubilar Gesundheit und Wohlergehen.
Ad multos annos!
(HDB)